
Daß in der Küche ein Missgeschick passiert ? Na klar, kann ja mal vorkommen, aber wenn sich diese Missgeschicke häufen, einen in die Träume verfolgen oder noch viel schlimmer ? Jahrzehnte (!!) nachher noch besprochen werden - das ist echt grausam.
Ja wo beginnt man damit? Am Anfang ? ja klar. Alsoooo ... ich hab mich die ganze Jugend- und Teenagerzeit so dämlich in der Küche angestellt, dass meine Mutter auf meine Mithilfe freiwillig verzichtet hat (hab ich grandios hinbekommen). Aber das war im nachhinein gesehen, doch ein kleiner Fehler.
Meine erste Beziehung, meine erste Wohnung, meine erste Küche .... und das erste Abendessen. Ich mochte daheim immer die Serbische Bohnensuppe meiner Mutter, richtig gewürzt, schön rot. Den Einkauf bekam ich ja hin, war ja nicht soo schwer, dann an ans Kochen. Mmmhh... das Zeugs wird nicht rot, obwohl schon eine halbe Packung Paprika dabei ist. Also den Rest des Packerls auch noch dazu, noch immer zu wenig rot. Eine mitfühlende Hauspartei gibt mir den Tip, doch Tomatenmark dazuzugeben. Pure Entrüstung: Meine Mutter hat NIE mit Tomatenmark gekocht. Schulterzucken ihrerseits, na dann mach was du willst. Schlussendlich waren 2 ½ Packungen Paprika in dieser Suppe, sie war tiefrot - aber man konnte sie nicht essen.
Spätere Nachfrage bei Mutter ergab: jawohl, doch Tomatenmark zwecks der Farbe dazu
Ein weiteres Problem: ich liebe Knödel im Grunde genommen auch kein Problem, zusehen oder aus einem Kochbuch das Rezept lesen, dieses aber nach Möglichkeit auch bis zum Ende. Kartoffelknödel, gelingen, Brandteigknödel gelingen, ..... was nie gelingt sind Semmelknödel. Da hatte ich mal zugesehen, meine Mutter verwendet kein Kochbuch, Handgelenkrezeptur Na das schaff ich doch auch, ja sicher. Alles in die Rührschüssel, vermischen, kurz ziehen lassen, Knödel formen ? iiigiittt, so klebrig hatte ich das von damals nicht in Erinnerung, aber auch egal. Ins kochende Wasser ... oouuupss ........... WO VERDAMMT NOCHMAL SIND MEINE KNÖDEL??? Diese wohlgeformten Dinger hatten sich in alle Bestandteile aufgelöst (na ja das Salz sah man nicht mehr, aber dafür alles andere). Gut, funktioniert so nicht, nehmen wir den Schnellkochtopf. Dort hatte es meine Mutter ja in 10 Minuten geschafft, traumhafte Knödel zu fabrizieren. Jaja, keine Ahnung, ob ihre 10 Minuten anders gezählt waren als die meinigen . Kochtopf öffnen, reinsehen und ... SCHRECK!!! Das ist eine Semmelomlette und keine 4 Knödel. Gut, diese Art der Knödel wird mal von der Liste gestrichen. Jahrelang gabs bei mir keine Semmelknödel, ob sie dazu gehört hätten oder nicht, ich koche sie einfach nicht. Ich weiß nicht, wie viele Rezepte ich bekommen habe, alle schön brav gesammelt. Dann wurde mein Sohn Koch. Der bringt ein „deppensicheres“ Rezept nach Hause - siehe einzelne Bestandteile -nur war diesmal die Masse von einer Hotelküche. Jetzt darf er für Mum die Knödel vorkochen, im Gefriersäckchen vorbeibringen und Mum hat auch ihre Semmelknödel.
Manche Speisen in der österreichischen Küche gehören eben eingebrannt. auch wenn man gesundheitsbewusst kochen will, es schmeckt einfach eben besser. Und das war auch so ein Ding ? Öl oder Butter in den Topf, mmhhh... jetzt wäre gut, wenn man wüsste, welche Menge Mehl DAMALS Mama dazugegeben hat. Ist doch egal, wird schon nicht so schwer sein. Denkste!! Zuerst wird es ein Klumpen, dann schüttest du Wasser dazu, freust dich, dass es etwas flüssiger wird, aber in einigen Sekunden ist das Ganze wieder zum Klumpen, noch mehr Wasser, wieder Klumpen, schneller noch mehr Wasser ... aja, jetzt ... was tut man um Himmels Willen mit 3 Liter Einbrenn, wenn man grad mal 1 Dose Bohnen hat?? Für diese eingebrannten Bohnen, damit sie endlich auf den Tisch kamen, waren glaub ich ? 4 Versuche notwendig. (Auch dieses Menü ist mittlerweile vom Speiseplan gestrichen).
Biskuitteig ? kann sicher jede Hausfrau. Ist ja einer der einfachsten Kuchenteige, die es überhaupt gibt. Geht schnell, wenn Gäste kommen, man streicht ihn dünn auf ein Backblech, rollt ihn nach 10 Minuten zu einer Roulade und bingo. Jaja, klar, geht alles. Sogar das Backen funktionierte. Nur, wie kriegt man diese dämliche Rolle, die auf der Arbeitsfläche liegt, endlich auf den Servierteller? Man klemmt den Servierteller kunstgerecht zwischen Bauch und Arbeitsfläche, schiebt die Roulade mit einem Tuch bis zum Rand der Arbeitsfläche und lässt sie plumpsen .... auf den TELLER, nicht auf den BODEN. Trick 17 der Mutter, bedenke, die Geschwindigkeit, mit der du ziehst.
Aus diesem Teig kann man natürlich auch Tortenböden fabrizieren. Besondere Gäste werden erwartet, also muß man zeigen, was man so drauf hat. Ich mache eine Topfen-Sahne-Torte. Im Grunde ja kein so großes Problem, alle hatten mich vor der Creme gewarnt, die gelang hervorragend, ohne Klümpchen, richtige Festigkeit ? aber der Tortenboden. Dieser hatte genau in der Mitte ein Loch ? nein nicht ein kleines, mit so etwas geb ich mich doch nicht zufrieden, es hatte einen Durchmesser von 12cm!!!! Keine Ahnung, was ich da angestellt hatte ? aber dass es auch diese Torte nicht mehr gibt, brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen.
Bayrische Kücherl (nennt man zumindest hier so) - in Fett gebackener Germteig mit einem Marmeladentupfer oben drauf - gegen einige Nahrungsmittel habe ich ja mittlerweile richtige Aversionen entwickelt - so auch zu dem Grundteig dieser Mehlspeise.
Wie immer bei mir, meine Mum hat es gemacht, also wird es wohl die Tochter auch fertig bringen. Zugetragen hat sich dieses leichte Fiasko so ca. vor 24 Jahren, als mein Mann auch noch etwas höflicher war :
Mit Hilfe eines Uralt-Kochbuches verschmutze ich mal meine Küche, der dämliche Germteig klebt nicht nur am Knethaken des Küchenmixers, sondern überall in der Küche und auch an mir. Germteig muß warm gestellt werden, damit er aufgeht, ist ja kein weiteres Problem, man dreht die Heizung kurzfristig auf, dann wird es wärmer (daß es draußen sowieso runde 25 Grad hatte, spielte bei diesem Kochereignis wenig Rolle).
Die erste halbe Stunde verbrachte ich im 5-Minuten-Takt bei meiner Schüssel, immer Nachschau halten, ob der Teig auch wirklich aufging, dann wurde es mir einfach zu blöd, ich ließ ihn stehen - eine Stunde!! Jetzt war auch der Fußboden mit Teig bekleckert, aber das macht auch nichts - kann man ja später putzen - auf ins Abenteuer!
In dem Kochbuch stand, man solle Teigstücke mit einem Löffel rausreißen - äähhh? Mir rinnt der Teig vom Löffel, wenn ich ihn ins heiße Fett laufen lasse, sieht es nicht wie ein Krapfen aus, sondern wie ein abstraktes Gebilde .... eine kurze Überlegung, ich greife zum Suppenschöpfer ... das wird sicher besser gehen. Nun, es ging zwar flotter, aber dafür hatte ich halbe Brotlaibe im Fett schwimmen ....auch kein Problem, kann man ja teilen.
Fett hat aber auch die Angewohnheit, sehr schnell sehr heiß zu werden - soll ich jetzt schreien? Nein, das würde wohl die Nachbarn auf den Plan rufen .... also, versuche ich die Gaszufuhr zu drosseln, zu warten, ob sich das Fett etwas abkühlt, damit mein Gebäck nicht zu dunkelbraun (oder besser hellschwarz) wird. Dauert auch wieder einige Zeit ....
So, jetzt ist es endlich geschafft: bis auf die Form, die das Gebäck hat, aber fürs erste Mal ... nein, geht schon. Freudig warte ich auf die Reaktion des Ehemannes
Am Abend serviere ich ihm mit leuchtenden Augen meine Kreation - er grinst, nimmt das erste Stück, beißt rein ... und jetzt stelle man sich das Gesicht vor, Mund offen, Gebäck zwischen die Zähne geklemmt und .... so als hätte er eine Kiefersperre ... seine Augen werden immer größer, die Zeit vergeht ...na, was ist? Beißt er jetzt endlich weiter rein? Irgendwann muß er doch kauen oder schlucken oder atmen??? Bange Sekunden ... er zieht es wieder ein Stück aus dem Mund, beginnt dran zu nagen wie ein Hamster und murmelt: Mmhhh... mein Schatz, ist wirklich sehr gut geworden, aber beim nächsten Mal ... kannst du bitte den Zement weg lassen?
Fazit: es gibt keinen Germteig mehr in diesem Haus